Meldung vom: 14.6.2005
Der Weg in die Selbständigkeit ist steinig - nur in den seltensten Fällen wird unter den derzeitigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen eine gute Geschäftsidee zum Selbstläufer. Eine realistische Einschätzung des Gründungsvorhabens und harte Arbeit ist gefragt, will man einem möglichen Scheitern den Erfolg entgegensetzen. Zwei Existenzgründer aus der Region Hof haben in den vergangenen Monaten die ersten Hürden genommen und bieten hochmotiviert ihre Dienstleistungen und Handelswaren nun offensiv auf dem Markt an. Ihr Vorgehen steht exemplarisch dafür, welche Impulse von einer professionellen Beratung und einem seriösen, gründungsbegleitenden Coaching ausgehen können.
HOF. - Reiner Müller ist 54 Jahre alt, hat graue Schläfen und trägt eine unauffällige, silberne Brille. Nichts an ihm, dem Existenzgründer, erinnert an die jungen, dynamischen Start-Up-Unternehmer der Endneunziger - vielmehr pendelte kürzlich über ihm noch bedrohlich das Damoklesschwert Hartz IV. Jahrzehntelang gehaltener und leicht, aber beständig angewachsener Lebensstandard, gesicherte Altersversorgung, eine berufliche Aufgabe - alles schien in Frage gestellt, einzig auf das flaue Gefühl der Existenzangst in der Magengegend als ständiger Begleiter konnte er sich noch verlassen. Und dennoch: "Ich habe mich nicht durchhängen lassen, auch wenn die letzten Jahre schwierig waren", erzählt er stolz.
Rückblick: Im Jahr 2001, nach einer mehr als 30-jährigen Anstellung als Buchhalter, ging sein Arbeitgeber, ein alteingesessener Hofer Baubetrieb, Pleite. Zwar fand er schnell wieder eine neue Arbeitsstelle - aber auch hier war nach sieben Monaten aufgrund einer Firmeninsolvenz Schluss. Mehr als 70 Bewerbungen und zwei Jahre Arbeitslosigkeit folgten - im Zuge der Hart IV-Reformen durchaus eine existenzbedrohende Situation, aus der sich Reiner Müller nun selbst befreit hat.
Gereift um die Einsicht, dass bei der Jobsuche "mein Alter die größte Hürde ist", fasste der gelernte Buchhalter den Entschluss, sich nun selbst eine berufliche Existenz aufzubauen. Seine Idee: externe Dienstleistungen für die Buchhaltung von Unternehmen, egal ob kleine Einzelpersonengesellschaft, GbR oder größere GmbH. "Trotzdem war mir natürlich bewusst, dass das Ganze nicht so einfach wird und die Selbständigkeit eine ernste Sache ist", erzählt Reiner Müller.
Rat und professionelle Unterstützung holte er sich bei einem achtwöchigen Existenzgründerseminar des Bildungsanbieters Virtueller Campus Bayern in Hof; einzige Voraussetzung für die kostenlose Teilnahme an der Weiterbildungsmaßnahme: der Bezug von Arbeitslosengeld und ein konkretes Gründungsvorhaben.
Der Schritt in die Selbständigkeit - ein ernstes Thema
"Es gibt eine Menge Arbeit, die in der Vorbereitung der Selbständigkeit zu erledigen ist", erzählt Müller. Das Aufstellen eines konkreten Businessplans, Marktforschung, das Erarbeiten einer Marketing- und Akquisestrategie, die Vorbereitung auf den Umgang mit Behörden: All diese Punkte im Verlauf des Seminars "haben mir erst richtig bewusst gemacht, was es bedeutet, selbständig zu sein". Allein das Fachwissen zu haben, reiche bei weitem nicht aus, um erfolgreich zu werden. "Wichtig ist doch", ist sich Reiner Müller sicher, "dass man seine Stärken erkennt und herausarbeitet und darauf seine Existenzgründung aufbaut." Ein Coaching-Angebot, in dem Kursleiterin Petra Leicht nach Ablauf des Seminares in der Gründungsphase auch weiterhin beratend zur Seite steht, hat Reiner Müller daher gerne angenommen.
"Den Schritt in die Selbständigkeit zu wagen, ist ein ernstes Thema", betont auch die Dozentin, die zusammen mit dem Unternehmensberater Hans Sahrhage die Kurse leitet. So wolle man die Gründungsthemen ja nicht nur anreißen sowie eine Gründung anstoßen, sondern intensiv an den einzelnen Vorhaben arbeiten. Petra Leicht: "Wir bieten hier keinen Kurs der sanften Berieselung an."
Ein guter Businessplan - die Voraussetzung für Fremdkapital
Ähnlich der Eindruck des 47-jährigen Berend Vasel, der sich nun mit einem Fachgeschäft rund um das Thema Esoterik selbständig gemacht hat. Auch er lässt sich seit Seminarende weiterhin coachen. Konkretes Anliegen bei ihm: der Businessplan, der als betriebswirtschaftlich aussagekräftige Grundlage erst die Beschaffung von Fremdkapital über den Weg der Banken ermöglicht. "Der Inhalt und die Präsentationen meines Businessplans hat die Bank überzeugt - und erst abhängig von deren Zusage konnte ich die weiteren Schritte in die Selbständigkeit unternehmen."
Nun schraubt Berend Vasel emsig Regale zusammen, hat in Eigenarbeit rund 350 Quadratmeter ältere Bürofläche durch eine umfangreiche Renovierung seinen geschäftlichen Bedürfnissen angepasst. Entstanden ist eine helle, einladende Verkaufsfläche sowie ein großer Seminarraum. Verschiedene Gerätschaften wie Wasseraufbereiter und Massagestühle für sogenannte Brainlight-Anwendungen, ein umfangreiches Buchsortiment und viele weitere Esoterik-Utensilien müssen nur noch angeliefert werden - dann kann es losgehen. Und Vasel ist überzeugt: "Mit meinem Angebot fülle ich die absolute Lücke."
Professionelles Coaching - bestens gerüstet für den weiteren Weg
Angestoßen von Optimismus, aber auch der notwendigen, realistischen Einschätzung des eigenen Vorhabens, geht ebenfalls Reiner Müller zu Werke; zwei feste Mandanten für seinen Buchhaltungsservice hat er schon. Meist arbeitet er beim Kunden vor Ort, kleinere Arbeiten erledigt er im heimischen Büro. Ausgestattet mit PC und einer professionellen Finanzsoftware sortiert, prüft und bucht er die gelieferten Belege seiner Kunden - und schaut nochmals kurz auf: "Ich fühle mich nun bestens gerüstet, um auch die weiteren Schritte in die Selbständigkeit erfolgreich gehen zu können."
Am 09. Februar startet der VCB die 8 wöchige Qualifizierung erneut. Weitere Informationen erhalten Sie bei Frau Hammerschmidt unter der Telefonnummer 09281/1448-305
zurück zum Presse-Center
|